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Wassersäule Angeljacke: Millimeter und Pascal lesen

Aktualisiert: Oktober 2026

Die Wassersäule einer Angeljacke wird häufig wie eine Schulnote behandelt: 15.000 mm klingt besser als 8.000 mm, und daneben steht manchmal noch eine Zahl mit 8.000 Gramm. Tatsächlich messen diese Angaben verschiedene Dinge. Die Millimeterzahl beschreibt den Widerstand eines Stoffes gegen Wasserdruck, nicht automatisch die Dichtigkeit von Nähten, Kapuze und Reißverschluss. Auch eine EN-343-Klasse ist keine bloße Übersetzung einer Marketingzahl. Im [Angeljacken-Vergleich](/hub/angelzubehoer/angeljacke) steht die Wassersäule deshalb als einzelnes Vergleichsfeld; hier erfahren Sie, was dieses Feld leistet und wo seine Aussage endet.

Die Wassersäule einer Angeljacke wird häufig wie eine Schulnote behandelt: 15.000 mm klingt besser als 8.000 mm, und daneben steht manchmal noch eine Zahl mit 8.000 Gramm.

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Inhalt

Was Millimeter im Labor bedeuten

Bei einer hydrostatischen Prüfung wird eine Stoffprobe steigendem Wasserdruck ausgesetzt. Die Höhe einer gedachten Wassersäule, der das Material bis zum definierten Wasserdurchtritt standhält, wird in Millimetern angegeben. 8.000 mm bedeuten somit nicht, dass die Jacke acht Meter tief ins Wasser getaucht werden darf. Der Wert stammt aus einem kontrollierten Prüfaufbau an Material und ist nicht direkt mit einem kompletten Kleidungsstück im Regen gleichzusetzen. Die Norm ISO 811 beschreibt ein solches Prüfverfahren, legt aber keine allgemeine Güteschwelle für das Wort „wasserdicht“ fest. Unterschiedliche Ratgeber nennen deshalb Praxiswerte wie 10.000 mm für Regenjacken oder höhere Werte bei starkem Druck. Diese Zahlen sind Auswahlregeln, keine universelle Normklasse. Ein Rucksackgurt, ein angewinkelter Ellbogen oder langes Sitzen können lokal mehr Druck erzeugen als locker auftreffender Regen. In der aktuellen Auswahl nennen mehrere Jacken gar keine Wassersäule, obwohl „wasserdicht“ im Titel steht. Das Feld „k. A.“ bedeutet in diesem Fall nur, dass in den ausgewerteten Angaben kein Wert gefunden wurde. Es ist weder null noch ein geschätzter Durchschnitt. Umgekehrt ist ein vorhandener Wert nützlich, aber erst zusammen mit Nahtschutz und Konstruktion aussagekräftig.

Was EN 343 klassifiziert

EN 343 betrifft Schutzkleidung gegen Regen und ordnet unter anderem den Widerstand gegen Wasserdurchgang in Klassen ein. Die aktuelle Fassung arbeitet dabei mit Druckwerten in Pascal. Für Klasse 4 werden mindestens 20.000 Pascal genannt, für Klasse 3 mindestens 13.000 Pascal. Um diese Werte grob mit einer Wassersäule zu vergleichen, lässt sich mit etwa 9,81 Pascal pro Millimeter rechnen. Die Umrechnung ist einfach: 20.000 Pascal geteilt durch 9,81 ergeben rund 2.040 mm Wassersäule. 13.000 Pascal entsprechen ungefähr 1.330 mm. Deshalb taucht in älteren Texten häufig die Aussage auf, eine Jacke sei ab etwa 1.300 mm wasserdicht. Sie bezieht sich auf eine Klassengrenze beziehungsweise ältere Darstellungen der Schutzkleidungsnorm und ist nicht dasselbe wie die Outdoor-Faustregel von 10.000 mm für längeren Regen. Der scheinbare Widerspruch löst sich, wenn Sie Zweck und Prüfkontext trennen. Eine Normklasse definiert Mindestanforderungen für bestimmte Schutzkleidung; eine hohe Hersteller-Wassersäule soll Reserve für den praktischen Einsatz beschreiben. Daraus darf man keine EN-343-Zertifizierung ableiten. Keine Jacke in der aktuellen Tabelle wird allein aufgrund ihrer Millimeterangabe als EN-343-geprüft bezeichnet. Dafür müsste die entsprechende Kennzeichnung des fertigen Produkts belegt sein. Für den Kauf bedeutet das: Nutzen Sie 8.000 oder 15.000 mm als vergleichbare Stoffangabe, aber suchen Sie nicht nach einer direkten Schulnoten-Übersetzung. Wer regelmäßig mehrere Stunden im Regen sitzt, berücksichtigt zusätzlich Nähte, Kapuze und Verschluss. Die praktische Auswahl dafür steht auf Angeljacke bei Regen.

Die zweite Zahl beschreibt häufig Atmungsaktivität

Bei Funktionsjacken steht neben der Wassersäule oft ein Wert in g/m²/24 h. Er beschreibt vereinfacht, wie viel Wasserdampf innerhalb von 24 Stunden durch einen Quadratmeter Material transportiert werden kann. Diese Größe wird häufig MVTR genannt. Anders als bei der Wassersäule ist ein höherer Zahlenwert grundsätzlich als höherer gemessener Dampfdurchgang zu lesen, sofern Verfahren und Bedingungen vergleichbar sind. Ein Beispiel aus der Tabelle macht die Verwechslungsgefahr sichtbar. Die packbare 33,000ft-Regenjacke nennt 8.000 mm Wassersäule und 8.000 g/m²/24 h. Die beiden Zahlen sehen gleich aus, haben aber verschiedene Einheiten und Aussagen. Eine gefütterte 33,000ft-Softshell nennt ebenfalls 8.000 mm, daneben jedoch nur 1.000 g/m²/24 h. Die Pioneer-Camp-Regenjacke kombiniert 15.000 mm mit 10.000 g/m²/24 h. Ret ist eine andere Größe für den Widerstand gegen Wasserdampf. Hier gilt die Richtung umgekehrt: Ein niedrigerer Ret-Wert steht für geringeren Widerstand und damit tendenziell besseren Feuchtigkeitstransport. Ret und MVTR lassen sich ohne Kenntnis der jeweiligen Messmethode nicht einfach ineinander umrechnen. Stehen nur „atmungsaktiv“ oder „Futter mit Löchern“ im Listing, liegt überhaupt kein quantitativer Vergleichswert vor.

Was eine hohe Zahl nicht abdichtet

Die Wassersäule gilt zunächst für den geprüften Stoff. Beim Nähen entstehen Einstichlöcher, die mit Band oder einer anderen Versiegelung geschützt werden müssen. Deshalb ist eine 8.000-mm-Jacke mit vollständig versiegelten Nähten für Regen nachvollziehbarer als eine 8.000-mm-Softshell ohne Angabe zur Naht. 15.000 mm machen offene Taschen oder einen ungeschützten Frontreißverschluss ebenfalls nicht dicht. Auch die Kapuze gehört nicht automatisch zum Prüfergebnis der Stoffprobe. Ihre Nahtführung, der Übergang zum Kragen, ein Schirm und die Einstellmöglichkeiten bestimmen, ob Wasser vom Gesicht weggeführt wird. Beim langen Ansitz kann eine schlecht sitzende Öffnung mehr Probleme verursachen als der Unterschied zwischen zwei guten Materialwerten. Für die Auswahl lesen Sie daher in dieser Reihenfolge: Bauart, genannte Wassersäule, Nahtversiegelung, Kapuze und Verschlüsse, danach den Atmungswert. Weitere Kriterien und Größenfragen bündelt die Angeljacken-Kaufberatung.

Häufige Fragen

Ab welcher Millimeterzahl ist eine Jacke wasserdicht?
Es gibt keine einzige allgemeine Schwelle für alle Zwecke. ISO 811 beschreibt das Messverfahren, während Ratgeber für Regenjacken oft 10.000 mm als Praxiswert nennen. Die fertige Jacke braucht zusätzlich geschützte Nähte und Verschlüsse.
Warum liegt EN-343-Klasse 4 nur bei etwa 2.000 mm?
Klasse 4 beginnt bei 20.000 Pascal, was rechnerisch ungefähr 2.040 mm entspricht. Diese Normanforderung ist nicht identisch mit einer Outdoor-Faustregel für mehrstündigen Regen und Druckstellen.
Sind 8.000 mm und 8.000 g/m²/24 h dasselbe?
Nein. Millimeter beschreiben Widerstand gegen Wasserdruck. Gramm pro Quadratmeter und 24 Stunden beschreiben einen gemessenen Wasserdampftransport.
Was bedeutet Ret?
Ret beschreibt den Widerstand gegen Wasserdampf. Anders als bei MVTR gilt ein niedrigerer Wert als günstiger. Ohne identisches Prüfverfahren sind verschiedene Atmungsangaben nur eingeschränkt vergleichbar.
Hebt Imprägnieren die Wassersäule?
Eine aufgefrischte DWR verbessert das Abperlen und kann den Feuchtigkeitstransport unterstützen. Sie repariert jedoch keine beschädigte Membran und erhöht nicht automatisch den Laborwert des Materials.

Weiterführende Seiten

Quellenverzeichnis

Fachquellen aus dem Research-Digest; zuletzt abgerufen am 09.10.2026.

  1. DIN EN 343:2019-06, Regen-Schutzkleidung (abgerufen am 09.10.2026)
  2. KÜBLER, EN-343-Klassen (abgerufen am 09.10.2026)
  3. ÖNORM EN ISO 811:2018, Messverfahren Wassersäule (abgerufen am 09.10.2026)
  4. Bergzeit, RET und MVTR (abgerufen am 09.10.2026)
  5. Gore-Tex, DWR auffrischen (abgerufen am 09.10.2026)
  6. DGUV, PSA gegen Ertrinken (abgerufen am 09.10.2026)
  7. ISO 12402-5, Schwimmhilfen Stufe 50 (abgerufen am 09.10.2026)
  8. FISCH & FANG, Auftrieb (abgerufen am 09.10.2026)
  9. Deine Angelwelt, Fischerjacken (abgerufen am 09.10.2026)
  10. Decathlon FJ 500 WPF, Preisanker (abgerufen am 09.10.2026)