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EN 388 bei Lederhandschuhen: Stufen und Piktogramm

Aktualisiert: August 2026

Wer EN 388 auf einem Lederhandschuh sieht, hält die Zahlen oft für einen Gesamtscore – und filtert damit falsch. Unter dem Hammer-Piktogramm stehen einzelne Prüfungen zu Abrieb, Schnitt, Weiterreißen und Durchstich; optional kommen TDM-Buchstaben A–F und ein Stoß-„P“ dazu. Ein hoher Abriebwert sagt nichts über Dornen, und ein „X“ heißt nicht automatisch „schwach“. Hier lernst du, die Kennzeichnung so zu lesen, dass Marketingtexte nicht die Auswahl ersetzen. Modelle und belegte Angaben findest du im [Arbeitshandschuhe-Leder-Vergleich](/hub/arbeitsschutz/arbeitshandschuhe-leder).

Wer EN 388 auf einem Lederhandschuh sieht, hält die Zahlen oft für einen Gesamtscore – und filtert damit falsch. Unter dem Hammer-Piktogramm stehen einzelne Prüfungen zu Abrieb, Schnitt, Weiterreißen und Durchstich; opti…

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Inhalt

EN ISO 21420: die Grundnorm hinter dem Handschuh

Bevor EN-388-Zahlen Sinn ergeben, braucht der Handschuh die allgemeinen Anforderungen an Schutzhandschuhe. EN ISO 21420 löst die frühere EN 420 ab und regelt unter anderem Design, Tragekomfort, Unschädlichkeit, Kennzeichnung und Herstellerinformationen. Kurz: Größe, Hersteller, Pflegehinweise und Grenzen der Verwendung müssen nachvollziehbar sein. Ohne lesbare Kennzeichnung und ohne Produktinfos bleibt Vorsicht angesagt – besonders betrieblich. CE ist ein Konformitätshinweis nach dem PSA-Rahmen (EU) 2016/425, keine magische Qualitätsgarantie und kein Ersatz für die passende Leistungsnorm zum Risiko. Zwei Listings können optisch gleich wirken: Das eine nennt EN-Stufen und Pflege, das andere nur „robuster Lederschutz“. Vergleichbar ist meist nur das erste.

EN 388 richtig lesen: Abrieb, Coup, Reiß, Stich, TDM und P

EN 388 (u. a. EN 388:2016+A1:2018 / DIN EN 388:2019) prüft mechanische Risiken. Unter dem Hammer-Piktogramm stehen typischerweise vier Ziffern, optional ein Buchstabe A–F und optional ein P. Die Reihenfolge ist fest – kein Gesamtscore. Position 1 Abrieb (1–4), Position 2 Coup-Schnitt (1–5 oder X), Position 3 Weiterreißen (1–4), Position 4 Durchstich (1–4), optional Position 5 TDM-Schnitt A–F nach EN ISO 13997, optional P für bestandenen Stoßschutz. Höhere Stufen bedeuten höhere geprüfte Leistung in genau diesem Merkmal – die Skalen sind über Risiken hinweg nicht linear vergleichbar. Im Cluster sind bei Bullkraft II 2.1.3.3X und bei Bullkraft I 3.2.4.3.X in den Produktdaten belegt. Andere Modelle treten ohne ausgeschriebene Stufen auf – schwerer vergleichbar, nicht automatisch schlechter. Material allein erklärt die Zahl nicht; ob Vollleder oder Spaltleder passt, hängt vom Einsatz ab.

Was bedeutet das X?

X heißt: nicht geprüft, nicht anwendbar oder im Kontext der Prüfung nicht sinnvoll angegeben. Beim Coup-Schnitt kann X erscheinen, wenn das Material die Klinge stark abstumpft – dann ist der TDM-Test (A–F) die aussagekräftigere Schnittinformation. X weder als „null Schutz“ noch als „maximal“ lesen.
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Was EN 388 nicht abdeckt: EN 407 und EN 12477

EN 388 beantwortet mechanische Fragen – nicht alles. EN 407 betrifft Hitze und Flammen mit bis zu sechs Kennwerten; EN 407 allein macht keinen vollständigen Schweißerhandschuh. Wer schweißt, braucht EN 12477: Typ A für höheren Schutz bei weniger Fingerfertigkeit, Typ B für mehr Dexterity etwa bei WIG. Allzweck-Leder aus dem Multipack kann Leder sein und trotzdem die Schweißanforderungen nicht erfüllen. Listings mit „Schweißen“ oder „Funken“ ohne EN 12477 erzeugen Scheinsicherheit. Chemikalien fallen unter EN ISO 374, Elektroschutz unter EN 60903 – beides liegt außerhalb dieses Artikels. Für Dornen und Hecke hilft eher Durchstich plus Passform als Orientierung, nicht ein Schweiß-Claim.

Höchste Werte sind nicht automatisch richtig

Viele Käufer suchen die höchste Ziffernfolge. Das ist verständlich und oft falsch. Feingefühl, Atmung und Trageakzeptanz entscheiden mit. Ein steifer Hochschnitt-Handschuh, der nach zehn Minuten abliegt, schützt weniger als ein mittleres Paar, das durchgängig getragen wird – solange das Risiko zum Modell passt. Typische Listing-Fallen: „Schnittschutz“ ohne TDM; Schweiß-Marketing ohne EN 12477; Stufen nur in Bewertungen, nicht am Produkt; „dornenfest“ als absolute Garantie. Prüfe Handschuh und kleinste Verpackungseinheit auf Hersteller, Typ, Größe, CE und Leistungsstellen. Sterne ersetzen keine Zahlenkette. Die Entscheidungslogik Einsatz → Material → Norm steht in der Kaufberatung.

Fazit: Risiko nennen, dann Stufen filtern

Wenn Abrieb und Kanten dein Hauptrisiko sind, priorisiere lesbare Abrieb-/Reißstufen und vergleichbare Specs – nicht den lautesten Schutzclaim. Bei Schnittgefahr brauchst du TDM-Buchstaben oder dedizierten Schnittschutz; X ohne TDM ist für diese Gefahr schlecht beurteilbar. Schweißen gehört in EN 12477, Chemie und Elektro in andere Normfamilien. Nächster Schritt: Risiko in einem Satz notieren, Listing gegenhalten, erst dann Pack und Größe festlegen.

Häufige Fragen

Was prüfen die ersten vier Ziffern bei EN 388 genau?
Der Reihe nach: Abrieb (1–4), Coup-Schnittfestigkeit (1–5 oder X), Weiterreißfestigkeit (1–4) und Durchstichfestigkeit (1–4). Prüfungen laufen unter Laborbedingungen. Immer die kritische Stelle für deinen Job priorisieren – nicht die Summe der Ziffern.
Was bedeuten die Buchstaben A bis F?
Sie kennzeichnen die TDM-Schnittfestigkeit mit steigender Anforderung von A nach F. Höhere Stufen sind für höhere Schnittgefahren gedacht; Feingefühl kann sinken. Wähle nach Risiko, nicht nach Maximalwert. Ohne TDM bleibt Coup-X oft unklar.
Reicht EN 388 zum Schweißen?
Nein. Zum Schweißen brauchst du Handschuhe nach EN 12477 (Typ A oder B) und solltest thermische Angaben nach EN 407 mitprüfen. EN 388 deckt nur mechanische Risiken ab. Allzweck-Leder mit Schweiß-Marketing ohne EN 12477 ist keine belastbare Annahme.
Was ist der Unterschied zwischen Coup-Test und TDM?
Der Coup-Test nutzt eine rotierende Klinge (Stufen 1–5). Der TDM-Test nach EN ISO 13997 misst die Kraft mit gerader Klinge (A–F) und ist maßgeblich, wenn Materialien die Coup-Klinge stark abstumpfen. Beide Werte nicht zu einem Schnitt-Score zusammenrechnen.
Haben alle Lederhandschuhe im Vergleich EN-388-Stufen?
Nein. GUARD-5-Bullkraft-Varianten haben typischerweise klare Angaben; andere Modelle erscheinen oft ohne ausgeschriebene Stufen. Dann entscheidest du über Material, Passform und Einsatz. Fehlende Stufen heißen nicht automatisch schlecht, aber schlechter vergleichbar.
Schützt eine hohe Durchstichstufe zuverlässig vor Dornen?
Höhere Durchstichwerte sind eine Orientierung im Prüfverfahren – keine Garantie gegen jeden realen Dorn oder Nagel. Passform, Lederdicke und Zustand des Handschuhs zählen mit. „Dornenfest“ in Werbetexten ist relativ; abgenutzte Kuppen rechtzeitig ersetzen.
Ersetzt ein hoher EN-388-Wert die Gefährdungsbeurteilung?
Nein. Normen und CE beschreiben geprüfte Eigenschaften und Konformitätswege – keine absolute Verletzungsfreiheit. Im Betrieb bleiben Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung maßgeblich. Affiliate-Rat ersetzt das nicht.

Weiterführende Seiten

Quellenverzeichnis

Fachquellen aus dem Deep Research; zuletzt abgerufen am 12.08.2026.

  1. MAPA PRO – Norm EN 388 (mechanische Risiken) (abgerufen am 12.08.2026)
  2. en-388.de – Erklärseite zur Norm EN 388 (abgerufen am 12.08.2026)
  3. BAuA – PSA-FAQ (abgerufen am 12.08.2026)
  4. Schwan Safety – Ratgeber Lederarbeitshandschuhe (abgerufen am 12.08.2026)
  5. Schwan Safety – Norm EN 407 (abgerufen am 12.08.2026)
  6. Blåkläder – EN 420 / EN ISO 21420 (abgerufen am 12.08.2026)
  7. Haberkorn – EN ISO 21420:2020 (abgerufen am 12.08.2026)
  8. Schloffer – EN 12477 Schweißerschutzhandschuhe (abgerufen am 12.08.2026)
  9. KÜBLER – EN 388 Piktogramm lesen (abgerufen am 12.08.2026)
  10. BGHM – Schutzhandschuhe mechanische Gefährdungen (abgerufen am 12.08.2026)