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EN 397 Industrieschutzhelm: Kennzeichnung, Typen und Claims

Aktualisiert: August 2026

Wer einen EN 397 Industrieschutzhelm kauft, trifft eine Sicherheitsentscheidung – nicht nur eine Produktwahl. Marketplace-Titel stapeln oft „EN 397“, „CE“ und weitere Normen in einem Satz. Ob das für Baustelle und Industrie im DACH-Raum trägt, entscheiden Schalenkennzeichnung, EU-Konformitätserklärung und die Gefährdung – nicht der Werbetext. Hier erfährst du, was EN 397:2013 und EN 397:2025 mit Typ 1 und Typ 2 bedeuten, welche optionalen Zeichen zählen und wann EN 14052 oder EN 50365 nötig werden. Modelle mit bewerteter Normklarheit findest du im [Bauhelm-Vergleich](/hub/arbeitsschutz/bauhelm). Keine Rechtsberatung: betriebliche Vorgaben haben Vorrang.

Wer einen EN 397 Industrieschutzhelm kauft, trifft eine Sicherheitsentscheidung – nicht nur eine Produktwahl. Marketplace-Titel stapeln oft „EN 397“, „CE“ und weitere Normen in einem Satz. Ob das für Baustelle und Indust…

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Inhalt

EN 397:2013 und EN 397:2025 – Typ 1 und Typ 2

EN 397 ist die zentrale europäische Norm für Industrieschutzhelme. Die lange genutzte Fassung EN 397:2013 prüft unter anderem Stoßdämpfung am Scheitel – als Faustregel in der Größenordnung von etwa 49 Joule. Dazu gehören Seitensteifigkeit, Durchdringungsfestigkeit und Brandverhalten. Ein Kinnriemen ist hier nicht zwingend; wenn einer mitgeliefert wird, liegt die typische Auslösekraft oft bei 150–250 N: halten, aber bei Verfangengefahr lösen. EN 397:2025 führt Typ 1 (T1) und Typ 2 (T2) ein. T1 entspricht weitgehend dem bisherigen Industrieschutzhelm-Niveau. T2 geht weiter: höhere Scheitelenergie (Faustregel: doppelte Größenordnung), Stoßdämpfung an vier Seiten und Pflicht-Kinnriemen mit Haltekraft von mindestens 500 N – also halten, nicht gezielt auslösen. Wer T2 bestellt, muss Unterweisung und Verfangengefahr an Maschinen mitdenken. In der Übergangsphase stehen alte und neue Kennzeichnungen nebeneinander. Schreibe Normversion und Typ in die Bestellspezifikation und prüfe sie an der Schale. Den Unterschied zu Bergsteigerhelmen vertiefst du unter EN 397 vs. EN 12492.

Optionale Kennzeichen: -20 °C, +150 °C, 440 V und MM

Neben EN 397 tragen viele Helme Zusatzsymbole. -20 °C bedeutet bestandene Stoß- und Durchdringungsprüfungen bei tiefer Temperatur – relevant für Winterbaustellen oder Kühlhäuser. +150 °C steht für erhöhte Temperaturbeständigkeit der Schale, nicht für einen Schweißerhelm. 440 V kennzeichnet elektrische Isolierung gegenüber Wechselspannung bis zu diesem Wert unter definierten Prüfbedingungen – kein Freibrief für Freischalten oder Elektrofachkraft-Tätigkeiten. MM (Molten Metal) zeigt Beständigkeit gegen geschmolzenes Metall in der Prüfung. Ohne diese Zeichen gilt nur die Basisanforderung – das ist kein Mangel, sondern eine Grenze. Lies optionale Zeichen als „zusätzlich geprüft“, nie als „für alles geeignet“. Notiere in der Betriebsanweisung, welche Zeichen für welche Tätigkeiten Pflicht sind.
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EN 14052 und EN 50365 – wann Basis-EN-397 nicht reicht

EN 14052 beschreibt Hochleistungs-Industrieschutzhelme für höhere Energien und erweiterte Stoßszenarien. So ein Helm ist nicht automatisch besser für jeden Einsatz, sondern spezieller – oft schwerer oder teurer. Ableiten solltest du das aus der Gefährdungsbeurteilung, nicht aus einem Listing mit vielen Logos. EN 50365 betrifft elektrisch isolierende Helme für Arbeiten in der Nähe spannungsführender Teile. Das ist eine andere Prüfphilosophie als das optionale 440-V-Zeichen auf einem EN-397-Helm. Belüftungslöcher können die elektrische Eignung einschränken; „gut belüftet“ und „elektrisch isolierend“ widersprechen sich oft. Trenne die Fragen „Brauche ich Hochleistungsstoßschutz?“ und „Brauche ich elektrische Isolation?“ – und kaufe nur, was belegt ist.

CE, DoC und Schalenkennzeichnung gegen Listing-Claims

CE allein sagt nur, dass der Hersteller die PSA-Verordnung beansprucht. Entscheidend sind Schalenprägung (Norm, Hersteller, Modell, oft Herstellungsdatum) und die EU-Konformitätserklärung. Prüfreihenfolge: Norm und Typ auf der Schale, Hersteller und Modell, Datum oder Charge, optionale Zeichen, DoC. Weicht das Listing ab, zählt der physische Helm. Besonders kritisch sind Dual-Claims wie „EN 12492 + EN 397“: Kinnriemen-Logik (Auslösen vs. Halten) kollidiert oft. ANSI Z89.1 allein reicht für DACH nicht als Ersatz für CE/EN. Zur Passform und zum Sitz der Helmschale lohnt parallel der Blick auf Bauhelm-Normen und Sitz. Bestelle bei Unsicherheit erst ein Stück, fotografiere Schale und DoC, dann die Menge.

Fazit: Norm wählen, dann Modell kaufen

Zuerst Gefährdung und geforderte Normversion (2013, T1 oder T2) festlegen, dann optionale Zeichen und Abgrenzungen zu EN 14052/50365 prüfen, zuletzt Preis und Komfort. Schale und DoC schlagen jeden Amazon-Titel. Für den Entscheidungspfad nach Einsatz und Budget springst du zur Bauhelm-Kaufberatung – Auszeichnungen in der Tabelle beziehen sich auf unsere Vergleichsmethodik, nicht auf erfundene Labortests.

Häufige Fragen

Reicht „CE“ im Amazon-Titel als Nachweis für EN 397?
Nein. CE ist ein Konformitätszeichen, kein Ersatz für die konkrete Normangabe auf der Schale und die DoC. Fehlt lesbare Kennzeichnung oder widerspricht die Schale dem Listing, behandel den Helm als nicht freigegeben, bis die Unterlagen nachgereicht sind.
Was bedeutet EN 397:2025 Typ 2 konkret für meinen Betrieb?
T2 verlangt höhere Scheitelenergie, Stoßdämpfung an vier Seiten und einen Pflicht-Kinnriemen mit Haltekraft ≥500 N. Das ändert Unterweisung, Tragekomfort und Verfangengefahr. Ob T2 nötig ist, folgt aus der Gefährdungsbeurteilung – nicht aus dem Wunsch nach der neuesten Normbezeichnung.
Brauche ich immer -20 °C, +150 °C, 440 V oder MM?
Nur wenn die Gefährdung das verlangt. Ohne Wintereinsatz ist -20 °C oft verzichtbar; ohne Hitze oder Schmelzmetall ist MM irrelevant. 440 V und EN 50365 betreffen elektrische Szenarien – belüftete Helme können dort ungeeignet sein.
Ist EN 14052 automatisch der bessere Bauhelm?
Nein. EN 14052 ist Hochleistungsstoßschutz für höhere Anforderungen und kann überdimensioniert, schwerer oder teurer sein, wenn die Gefährdung klassischer Scheitelschutz ist. Zuerst Risiko klären, dann Norm wählen.
Reicht ANSI Z89.1 für Baustellen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz?
Für den DACH-Raum reicht ANSI allein in der Regel nicht als Ersatz für CE/EN-Nachweise. Trägt ein Helm beide Welten, zählt für Europa die EN-/CE-Linie. Listings, die nur ANSI bewerben, sind für gewerbliche Nutzung kritisch.
Was sagt DGUV 112-193 im Verhältnis zur EN 397?
Die DGUV-Regel 112-193 gibt Orientierung zu Auswahl, Nutzung und Organisation von Kopfschutz. Sie ersetzt weder die Produktnorm noch die Gefährdungsbeurteilung. Die technische Eignung hängt an Kennzeichnung, DoC und Einsatzbedingungen.
Wie hängen Normen und Austauschdatum zusammen?
Die Norm beschreibt die Prüfung bei Typzulassung; Herstellungsdatum und Materialklasse steuern typische Nutzungsdauer. Faustregel: Thermoplast oft ca. 4 Jahre, Duroplast ca. 8 Jahre ab Herstellung – Herstellerangabe hat Vorrang. Nach Schlag oder Riss sofort austauschen.

Weiterführende Seiten

Quellenverzeichnis

Fachquellen aus dem Deep Research; zuletzt abgerufen am 12.08.2026.

  1. DGUV FAQ Kopfschutz (abgerufen am 12.08.2026)
  2. DGUV Sachgebiet Kopfschutz (abgerufen am 12.08.2026)
  3. BG BAU Schutzhelm Anforderungen (PDF) (abgerufen am 12.08.2026)
  4. BG BAU Bauportal Auswahl Kopfschutz (abgerufen am 12.08.2026)
  5. Forum DGUV – Überarbeitete Norm Industrieschutzhelme (EN 397:2025) (abgerufen am 12.08.2026)
  6. DGUV/IFA Alterung Industrieschutzhelme (abgerufen am 12.08.2026)
  7. JSP Support: EN 397 vs. EN 12492 (abgerufen am 12.08.2026)
  8. Komnet NRW Dialog Helmpflicht/Gb (abgerufen am 12.08.2026)
  9. BBU Safety: EN 397:2025 Guide (abgerufen am 12.08.2026)
  10. Deutsche Handwerks Zeitung – Helmpflicht auf dem Bau (abgerufen am 12.08.2026)