Sicher bohren in Metall: PSA, Spannung und typische Fehler

Aktualisiert: Juli 2026

Sicher bohren in Metall beginnt nicht an der Bohrmaschine – sondern bei der Vorbereitung. Das Ankörnen mit dem Automatikkörner ist vergleichsweise harmlos. Gefährlich wird der Folgeprozess: rotierende Werkzeuge, scharfe Späne, Einzugsgefahr. Berufsgenossenschaften und DGUV-Regeln sind eindeutig: Schutzbrille ja, Handschuhe an rotierenden Maschinen nein. In unserem Automatikkörner-Vergleich geht es um Werkzeugauswahl. Hier die Sicherheitsregeln für den gesamten Ablauf – vom Ankörnen bis zum letzten Span.

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Warum Sicherheit nach dem Ankörnen wichtig ist

Der Automatikkörner erzeugt eine kleine Vertiefung. Danach kommt der Bohrer – und mit ihm Drehzahl, Kraft und Späne. Die häufigsten Unfälle beim Bohren entstehen durch: - Einzug – Handschuhen oder losem Stoff in die rotierende Spindel - Weggeschleuderte Späne – ins Auge, ins Gesicht - Wegrutschen – Werkstück oder Bohrer bei unzureichender Spannung - Bruch – Bohrer oder Werkstück bei falscher Drehzahl Das Ankörnen selbst birgt geringes Risiko – einzelne Splitter können fliegen. Trotzdem: Schutzbrille schon bei der Vorbereitung tragen.

Die wichtigsten Sicherheitsregeln

Sechs Regeln, die vor jedem Bohrvorgang gelten sollten – unabhängig von Maschine und Material.

1. Schutzbrille tragen

Beim Bohren in Metall entstehen heiße, scharfe Späne. Sie können meterweit fliegen. Normale Brillen reichen nicht – eine Schutzbrille mit Seitenschutz nach EN 166 ist der Standard. Auch beim Ankörnen und beim Reinigen des Werkstücks: Brille auf. Späne erst entfernen, wenn die Maschine stillsteht.

2. Keine Handschuhe an rotierenden Maschinen

Das klingt paradox – viele greifen reflexartig zu Handschuhen. Aber: Ein Handschuh, der sich in der Spindel verfängt, zieht die Hand mit. Die BG ETEM und andere Berufsgenossenschaften warnen ausdrücklich davor. Ausnahme: Handschuhe beim Handling von scharfkantigen Werkstücken vor und nach dem Bohren – aber ab vor dem Einschalten der Maschine ausziehen.

3. Werkstück sicher spannen

Ein lose liegendes oder wackelndes Werkstück ist die häufigste Ursache für wegrutschende Bohrer und Verletzungen. Nutze: - Schraubstock – für flache und längliche Teile - Spannbacke – in der Bohrmaschine oder Fräse - Spannzwinge – auf der Werkbank - Magnetspannplatte – bei ferromagnetischen Werkstücken Prüfe vor dem Bohren: Rührt sich etwas, wenn du mit Kraft drückst?

4. Richtige Drehzahl wählen

Zu hohe Drehzahl erhitzt den Bohrer, verkürzt die Standzeit und kann zum Bruch führen. Zu niedrige Drehzahl erzeugt große Spanbildung und mehr Kraftaufwand. Orientierungswerte für HSS-Bohrer in Stahl: 20–40 m/min Schnittgeschwindigkeit – bei 6 mm Bohrer entspricht das etwa 1.000–2.000 U/min. Starte immer mit niedriger Drehzahl, bis die Führung in der Körnermarke sitzt.

5. Späne nur bei stillstehender Maschine entfernen

Niemals mit der Hand oder mit Kompressor-Luft bei laufender Maschine. Abschalten, warten bis Stillstand, dann mit Haken oder Bürste entfernen.

6. Beschädigte Werkzeuge austauschen

Stumpfe Bohrer, abgebrochene Körnerspitzen oder rissige Schleifscheiben erhöhen das Unfallrisiko. Nach dem Ankörnen: Spitze prüfen. Vor dem Bohren: Bohrer auf Verschleiß checken.

Ablauf: Sicher vom Ankörnen zum Bohren

1. Werkstück reinigen und einspannen – Fest, eben, keine Lose 2. PSA anlegen – Schutzbrille, keine Handschuhe an der Maschine 3. Ankörnen – Senkrecht, passende Schlagkraft (Anleitung) 4. Markierung prüfen – Sitzt der Punkt? 5. Bohrer einsetzen – In die Körnermarke, nicht daneben 6. Niedrige Drehzahl – Anbohren, dann erhöhen 7. Kühlschmierstoff – Bei harten Materialien sinnvoll 8. Stillstand abwarten – Dann Späne entfernen

Typische Fehler mit Sicherheitsrelevanz

Handschuhe an der Bohrmaschine: Risiko Einzug, schwere Verletzung. Vermeidung: Barfuß-Hände an der Maschine. Keine Schutzbrille: Risiko Augenverletzung durch Späne. Vermeidung: EN-166-Brille. Lose Spannung: Risiko Wegrutschen, Bohrerbruch. Vermeidung: Schraubstock, Zwinge. Zu hohe Drehzahl: Risiko Bohrerbruch, Funken. Vermeidung: Drehzahltabelle beachten. Späne bei laufender Maschine: Risiko Schnittverletzung. Vermeidung: Erst abschalten. Schräges Anbohren: Risiko Bohrerbruch, Verletzung. Vermeidung: Körnermarke nutzen, senkrecht.

Besondere Situationen

Bohren über Kopf

Späne fallen ins Gesicht – Schutzbrille ist Pflicht. Zusätzlich: Kappe oder Haarnetz, damit nichts in die Spindel gerät. Werkstück besonders sicher spannen.

Dünnes Blech

Verformungsgefahr und Durchschlag. Werkstück auf Unterlage legen, niedrige Drehzahl, scharfen Bohrer verwenden. Beim Ankörnen nicht zu viel Schlagkraft – siehe Materialeignung und Schlagkraft einstellen.

Akku-Bohrmaschine vs. Standbohrmaschine

Die Standbohrmaschine ist sicherer: Werkstück fix, senkrechter Vorschub. Die Handbohrmaschine erfordert mehr Konzentration und beide Hände am Werkzeug – nicht mit der zweiten Hand das Werkstück halten, während gebohrt wird.

Wann Profi oder Werkstatt?

Bei sicherheitskritischen Bauteilen – tragende Konstruktionen, Druckbehälter, Fahrzeugteile – gehört die Bearbeitung in qualifizierte Hände. Auch bei unbekanntem Werkstoff (vielleicht gehärtet?) oder wenn du unsicher bei der Spannung bist.

Häufige Fragen

Ist eine Schutzbrille beim Ankörnen Pflicht?
Gesetzlich im privaten Heimwerkerbereich nicht „Pflicht" – aber dringend empfohlen. Splitter können auch beim Körnen fliegen.
Warum sind Handschuhe an der Bohrmaschine verboten?
Ein sich verfangender Handschuh zieht die Hand in die Spindel. Die Verletzungen sind oft schwerer als ein Schnitt ohne Handschuh.
Reicht eine normale Brille statt Schutzbrille?
Nein. Schutzbrillen haben Seitenschutz und sind bruchsicherer. Normale Brillen schützen nicht zuverlässig von der Seite.
Muss ich beim Bohren in Holz auch eine Schutzbrille tragen?
Ja. Holzspäne können ebenfalls ins Auge gelangen. Das Risiko ist geringer als bei Metall, aber die Brille kostet wenig.
Was tun, wenn der Bohrer bricht?
Maschine sofort abschalten, warten, Bruchstück vorsichtig entfernen. Nicht mit bloßen Händen an rotierenden Teilen. Neuen Bohrer einsetzen, Ursache prüfen (Drehzahl, Spannung, stumpf).
Darf ich allein in der Werkstatt bohren?
Ja, aber jemand sollte wissen, dass du arbeitest – besonders bei größeren Maschinen. Erste-Hilfe-Set griffbereit halten.

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