HSS, Kobalt und Hartmetall schärfen – Materialien im Überblick

Aktualisiert: Juli 2026

Nicht jeder Bohrer ist gleich – und nicht jedes Bohrerschärfgerät kann jedes Material gleich gut bearbeiten. HSS bohrer schärfen ist die Standardaufgabe für Heimgeräte. Cobalt-Bohrer (HSS-Co) gehen oft noch, brauchen aber sauberere Prozesse. Hartmetall stellt selbst teure Geräte vor Herausforderungen. Diese Seite erklärt, welches Material welche Anforderungen stellt, welche Schleifscheiben relevant sind und welche Geräte im Vergleich für welchen Materialmix taugen. Den Überblick über alle Modelle findest du im Bohrerschärfgeräte-Vergleich.

Unsere Top-Empfehlungen

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HSS – Der Standardfall

HSS (High-Speed Steel, Schnellarbeitsstahl) ist das Material der meisten Spiralbohrer in Heimwerker- und Werkstattbeständen. Es ist schleifbar, verzeiht moderate Überhitzung und funktioniert mit den Korund- und Diamantscheiben, die in Bohrerschärfgeräten verbaut sind. Fast alle Geräte im Vergleich sind primär für HSS ausgelegt: - Güde GBS 80 (3–13 mm, Korundscheibe Körnung 150) - Scheppach DBS800 (Diamantscheibe) - Parkside PBSG 95 (Standardscheibe) - Drill Doctor 400/750 (Diamant, Körnung 100) - VEVOR MR13B (Testsieger) Für reine HSS-Bohrer ab 4 mm reicht ein Gerät ab 50 € meist aus – mit der üblichen Einschränkung bei kleinen Durchmessern.

Typische HSS-Anwendungen

- Baustahl und unlegierte Stähle - Aluminium und NE-Metalle - Kunststoffe (mit angepasstem Vorschub) - Holz (mit Holzbohrern) Der Spitzenwinkel für HSS in weicheren Stählen ist meist 118° – Details unter 118° vs 135°.

HSS-Co (Kobaltlegierung) – Anspruchsvoller, aber machbar

Kobaltlegierter HSS (HSS-Co, oft 5–8 % Co) ist temperaturfester und wird für härtere Werkstoffe genutzt. Schleiftechnisch ist er etwas härter als reines HSS – die gleichen Geräte und Scheiben funktionieren, aber: Mehr Vorsicht bei Überhitzung: Kobalt-Bohrer verzeihen Anlassfarben (bläuliche Verfärbung) weniger. Kurze Schleifintervalle, Kühlung oder Pausen zwischen den Gängen. 135° oft sinnvoller: Für zähere Werkstoffe wie Edelstahl empfiehlt sich 135° mit Split-Point. Geräte mit nur 118° wie der Güde GBS 80 schärfen den Bohrer zwar, aber die Geometrie passt nicht immer zum Einsatzmaterial. Geeignete Geräte: Alles mit 135°-Option – Drill Doctor 750, VEVOR MR13B, VEVOR MR20G. Für gelegentliches HSS-Co reicht auch ein 118°-Gerät, wenn du den Winkel manuell nicht ändern musst.

Hartmetall (HM) – Grenzbereich für Heimgeräte

Hartmetallbohrer sind deutlich härter als HSS. Sie halten länger, sind aber spröder und brauchen spezielle Schleifscheiben – meist Diamant auf feiner Körnung. Problem: Die meisten Heim-Bohrerschärfgeräte sind nicht für Hartmetall ausgelegt. Die verbauten Scheiben (Korund, grober Diamant) können HM nicht sauber schleifen oder beschädigen die Schneide. Wer HM schärfen will: - Professioneller Schärfdienst mit HM-Ausrüstung - Spezialisierte Industriemaschinen - Erfahrener Schleifbock mit Diamantscheibe und sehr feiner Handführung Im Vergleich taugt kein Gerät unter 500 € explizit als HM-Schärfer. Der VEVOR MR20G nähert sich Werkstattqualität, ist aber primär für HSS/HSS-Co dokumentiert. Pragmatische Regel: Hartmetallbohrer im Heimwerkerbereich sind oft günstig genug für Neukauf. Schärfen lohnt sich bei teuren HM-Bohrern über 20 € – dann über Schärfdienst.

Typische Fehler beim Schärfen nach Material

HSS zu heiß geschliffen: Goldene bis bläuliche Anlassfarben an der Schneide. Der Bohrer wirkt scharf, verliert aber Härte und wird schnell wieder stumpf. Lösung: kürzere Schleifgänge, weniger Druck, ggf. kurze Pause zum Abkühlen. HSS-Co mit 118° in Edelstahl: Der Bohrer schärft sich technisch, verläuft aber beim Bohren. Nicht das Material ist schuld, sondern die Geometrie. 135° mit sauberer Ausspitzung prüfen. Hartmetall am Heimgerät versucht: Die Schneide bricht oder wird unscharf ohne echte Schärfung. Hier stoppen und Schärfdienst nutzen. Beschriftung ignorieren: Nicht jeder goldene Bohrer ist HSS-Co, nicht jeder graue ist Hartmetall. Herstellerangabe oder Katalog prüfen, bevor du den Prozess wählst.

Beschichtete Bohrer (TiN, TiAlN etc.)

Viele moderne Bohrer haben Beschichtungen, die Reibung reduzieren und Standzeit erhöhen. Beim Nachschärfen wird die Beschichtung an der Schneide lokal abgetragen – das ist normal und kein Ausschlusskriterium. Was passiert: Die Schneide ist wieder scharf, aber ohne Beschichtung an der bearbeiteten Stelle. Die Standzeit kann kürzer sein als beim Neukauf. Was du wissen solltest: Beschichtete Bohrer schärfen sich wie unbeschichtete HSS/HSS-Co. Die Beschichtung an der Schneide ist nach dem Schleifen weg – der Bohrer funktioniert trotzdem.

Schleifscheiben und Material

Korund (Körnung 150) eignet sich für HSS und sitzt etwa im Güde GBS 80. Diamant (grob) deckt HSS und teils HSS-Co ab – verbaut in Scheppach DBS800 und Drill Doctor. Diamant (fein) ist für HSS und HSS-Co gedacht, etwa im Optimum GQ D13. CBN eignet sich für Stahl und HSS-Co, kommt in Heimgeräten aber selten vor. Eine verschlissene Scheibe schärft kein Material gut – egal ob HSS oder Kobalt. Regelmäßige Sichtprüfung ist Pflicht.

Material und Winkel – die Kombination

Für Baustahl und Aluminium empfiehlt sich 118° – ein Einstiegsgerät reicht meist. Für Edelstahl und HSS-Co sind 135° plus Split-Point sinnvoll; dafür brauchst du ein Mittelklasse-Gerät mit Winkeloption. Hartmetall erfordert Spezialausrüstung: Schärfdienst oder Profimaschine. Bei Kunststoff helfen 118° und eine scharfe Schneide – vorsichtig schleifen, ein Einstiegsgerät genügt. Mehr zur Winkelwahl: 118° vs 135°.

Geräteempfehlung nach Materialmix

Nur HSS, Baustahl und Alu: Güde GBS 80 (ca. 50 €, Preis-Leistungs-Sieger) oder Scheppach DBS800 (ca. 60 €). HSS + gelegentlich Edelstahl/HSS-Co: Drill Doctor 400 (118°) mit Vorsicht, besser Drill Doctor 750 oder VEVOR MR13B mit 135°. Gemischter Werkstattbestand mit HSS-Co: VEVOR MR13B (Testsieger) oder Drill Doctor 750. Hartmetall: Schärfdienst – siehe vs Schleifbock und Schärfdienst. Ausführliche Geräteauswahl in der Kaufberatung und für hohe Ansprüche unter Werkstatt/Profi.

Häufige Fragen

Kann ich HSS-Bohrer mit jedem Bohrerschärfgerät schärfen?
Ja, das ist der Standardfall. Alle Geräte im Vergleich sind für HSS ausgelegt. Die Qualität variiert – günstige Geräte liefern schwankendere Ergebnisse.
Was ist der Unterschied zwischen HSS und HSS-Co beim Schärfen?
HSS-Co ist härter und temperaturfester. Du brauchst mehr Vorsicht vor Überhitzung und oft 135° statt 118° für zähere Werkstoffe. Das Schleifgerät selbst ist meist dasselbe.
Kann ein Heim-Bohrerschärfgerät Hartmetall schärfen?
In der Regel nein. Hartmetall braucht feine Diamantscheiben und spezielle Prozesse. Nutze einen Schärfdienst oder kaufe neu.
Verliere ich die Beschichtung beim Schärfen?
Ja, an der Schneide. Der Bohrer schneidet trotzdem wieder, hat aber möglicherweise kürzere Standzeit als ein neuer beschichteter Bohrer.
Welches Gerät für Edelstahl-Bohrer?
Eines mit 135°-Option: Drill Doctor 750, VEVOR MR13B oder VEVOR MR20G. Nur 118° reicht für regelmäßigen Edelstahl selten.
Wie erkenne ich Überhitzung beim Schleifen?
Anlassfarben: goldgelb, bläulich oder grau an der Schneide. Sofort stoppen, Bohrer abkühlen lassen. Bei blauen Schneiden ist die Härte oft beeinträchtigt.
Reicht die Scheibe vom Güde GBS 80 für HSS-Co?
Grundsätzlich ja für leichtes Nachschärfen. Für häufiges HSS-Co und Edelstahl sind Geräte mit feinerer Diamantscheibe und 135°-Option besser.
Kobalt-Bohrer schärfen oder neu kaufen?
Bei Qualitätsbohrern ab 8–10 € lohnt Schärfen. Bei Billigbohrern oft Neukauf. Entscheidend: Zustand der Schneide und wie oft du sie nutzt.
Muss ich HSS und HSS-Co getrennt schleifen?
Nein – Prozess und Gerät sind gleich. Unterschiedlich sind Winkelwahl, Vorsicht vor Hitze und dein Anspruch an Standzeit nach dem Schleifen. HSS-Co in Edelstahl profitiert stärker von 135° als reines HSS in Baustahl.

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