Schweißpunkte ausbohren: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aktualisiert: Juli 2026

Schweißpunkte ausbohren klingt simpel – in der Praxis entscheiden Vorbereitung, Drehzahl und der richtige Stoppzeitpunkt darüber, ob du sauber trennst oder das Unterblech beschädigst. Diese Anleitung führt dich von der Freilegung bis zur Kontrolle nach dem Bohren – mit klaren Stoppsignalen und typischen Fehlerquellen. Vor dem Start: Passendes Werkzeug wählen (Kaufberatung), richtige Größe (Größen-Guide) und PSA (Sicherheit).

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Vorbereitung: Schweißpunkt freilegen

1. Bauteil sichern – Karosserieteil in Werkbank oder mit Gurt fixieren, kein Wackeln. 2. Dichtmasse und Lack entfernen – Schleifen oder Kratzen, bis der Punkt sichtbar ist. Blindes Bohren unter Material führt zu Verlaufen. 3. Punkt markieren – Körnerpunkt in die Mitte des Nuggets setzen. Selbstzentrierende Bohrer helfen, ersetzen aber keine Markierung bei schräger Zugänglichkeit. 4. Unterblech schützen – Wo möglich: Abstandshalter, Holzkeil oder Schutzblech unterlegen. Nicht immer möglich, aber bei Türinnenblechen oft realisierbar.

Werkzeug und Maschine vorbereiten

- Schweißpunktbohrer in 6- oder 8-mm-Größe passend zum Punkt - Akkuschrauber oder Bohrmaschine mit variabler Drehzahl (kein Schlagbohrer) - Schaftdurchmesser zum Bohrfutter passend – kein Wackeln - Schutzbrille und Handschuhe – Pflicht Im Vergleich findest du getestete Sets mit passenden Größen.

Schritt 1: Ansetzen und starten

1. Bohrer senkrecht auf den markierten Punkt setzen. 2. Niedrige Drehzahl wählen – Start mit ca. 400–800 U/min, je nach Bohrdurchmesser und Material anpassen. 3. Leichten Druck ausüben – der Bohrer soll selbst zentrieren und schneiden, nicht gedrückt werden. 4. Erste Umdrehungen langsam – prüfen, ob der Bohrer nicht wandert.

Schritt 2: Durch das obere Blech bohren

Du spürst zunehmenden Widerstand, wenn die Schneide in die Schweißlinse (Nugget) trifft. Das ist normal. Weiter mit gleichmäßigem, moderatem Vorschub – nicht stoßen. Was du fühlst: - Anfangs: Blechwandung - Mitte: Höherer Widerstand (Schweißzone) - Ende: Widerstand fällt spürbar ab – das obere Blech ist durch

Schritt 3: Stoppzeitpunkt – das kritische Moment

Sofort reduzieren oder stoppen, wenn: - der Widerstand deutlich nachlässt - du „durch" spürst – typisch ein kurzes Nachgeben - Späne sich ändern (dünner, andere Farbe) Nicht weiterbohren „zur Sicherheit". Ein Millimeter zu viel reicht, um das Unterblech zu markieren oder zu durchbohren. Bei Unsicherheit: Kurz stoppen, visuell prüfen – ist der Punkt ringförmig frei? Dann reicht oft leichtes Nacharbeiten mit Paneltrenner statt weiterem Bohren.

Schritt 4: Bleche trennen

Nach dem Ausbohren: 1. Paneltrenner oder breiten Meißel zwischen die Bleche setzen 2. Kontrolliert hebeln – nicht mit Gewalt 3. Restnugget mit Feile oder Trennscheibe nacharbeiten, falls nötig Nie versuchen, die Bleche nur durch weiteres Bohren zu trennen.

Schritt 5: Kontrolle

- Oberes Blech: Saubere Bohrung, kein Ausbruch an den Rändern? - Unterblech: Keine tiefe Kerbe, keine Durchbohrung? - Nachbarbereich: Keine ungewollten Kratzer durch rutschenden Bohrer? Wenn das Unterblech beschädigt ist: Fehler und Probleme – und bei tragenden Teilen Fachwerkstatt.

Drehzahl und Vorschub – Kurzreferenz

6 mm: 600–1000 U/min, Vorschub langsam und gleichmäßig. 8 mm: 400–800 U/min, Vorschub noch vorsichtiger. Zu hohe Drehzahl erzeugt Wärme und stumpft die Schneide. Zu hoher Druck verkantet den Bohrer oder bricht die Spitze.

Typische Fehler in der Anleitung vermeiden

- Schlagbohrer-Modus – tabu bei Schweißpunkten - Keine Freilegung – Verlaufen garantiert - Zu große Bohrgröße – unnötige Nacharbeit am Blech - Unterblech nicht im Blick – Stoppzeitpunkt verpasst

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, dass der Punkt durch ist?
Der Widerstand fällt spürbar ab, oft hörst du ein leichtes „Nachgeben". Visuell: Ring um den Punkt ist frei, oberes Blech lässt sich leicht bewegen.
Was, wenn der Bohrer verläuft?
Stoppen. Größeren Bohrer nicht nachsetzen. Punkt neu markieren, ggf. kleineren Bohrer zum Anbohren, dann korrekte Größe.
Kann ich einen Akkuschrauber nutzen?
Ja, mit Drehmomentbegrenzung und niedriger Stufe. Kein Schlag, keine höchste Geschwindigkeit.
Muss ich kühlen?
Bei kurzen Einsätzen an dünnem Blech oft nicht. Bei mehreren Punkten hintereinander: Pausen einlegen, Bohrer nicht glühend werden lassen.
Was bei Restnugget?
Mit Paneltrenner nacharbeiten. Nicht mit Gewalt weiterbohren.
Wie viele Punkte pro Bohrer?
Abhängig von Material und Qualität – bei stumpfer Schneide wechseln, nicht „durchpowern".
Ankörnen nötig?
Bei selbstzentrierenden Bohrern oft optional, bei schrägem Zugang empfohlen.
Wann abbrechen und Profi holen?
Wiederholt Unterblech getroffen, unklare Schweißpunktlage, tragende Struktur – dann Werkstatt.

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