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EN 388 bei Schnittschutzhandschuhen richtig lesen

Aktualisiert: September 2026

Auf einer Verpackung steht „Level 5“, im Piktogramm findet sich dagegen eine Folge wie 4X43C: Wer EN-388-Schnittschutzhandschuhe für Blech, Glas oder Montage auswählt, muss diese Angaben auseinanderhalten. Der Code ist kein Gesamtergebnis, sondern fasst mehrere getrennte Prüfungen zusammen. Deshalb kann ein Handschuh bei Abrieb hoch eingestuft sein und gegen Schnitte dennoch nur mittleren Schutz bieten. Einen Überblick über Produkte und Einsatzbereiche finden Sie im [Schnittschutzhandschuhe-Vergleich](/hub/schutzbekleidung/schnittschutzhandschuhe). Hier geht es darum, die Normkennzeichnung von links nach rechts zu lesen und Coup-Test sowie ISO 13997 zu unterscheiden.

Auf einer Verpackung steht „Level 5“, im Piktogramm findet sich dagegen eine Folge wie 4X43C: Wer EN-388-Schnittschutzhandschuhe für Blech, Glas oder Montage auswählt, muss diese Angaben auseinanderhalten.

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Inhalt

Den Code von links nach rechts lesen

Unter dem EN-388-Piktogramm stehen mindestens vier Zeichen: Abrieb, Schnitt im Coup-Test, Weiterreißen und Durchstich. Bei „4X43C“ steht die 4 für Abrieb, nicht für Schnittschutz. Das X betrifft den Coup-Test; 4 und 3 gehören zu Weiterreißen und Durchstich. Der Buchstabe C ist das TDM-Ergebnis nach ISO 13997. Abrieb, Weiterreißen und Durchstich laufen von 1 bis 4, Coup von 1 bis 5, optional TDM A bis F und als sechstes Zeichen ein P für bestandenen Stoßschutz. Händlertexte verkürzen oft auf „Level 5“. Die Kaufberatung für Schnittschutzhandschuhe setzt zuerst beim Einsatz an.

Warum beim Coup-Test ein X stehen kann

Beim Coup-Test bewegt sich eine kreisförmige Klinge unter festgelegter Belastung über das Material. Aus den Bewegungen bis zum Durchtrennen wird eine Stufe von 1 bis 5 bestimmt. Bei sehr schnittfesten Fasern kann die Klinge abstumpfen und die Aussagekraft sinken. Das X heißt nicht „kein Schnittschutz“ und nicht „Test nicht bestanden“. Es zeigt, dass kein verwendbarer Coup-Wert angegeben wird; dann gilt der TDM-Test nach ISO 13997. Deshalb ist „4X43C“ kein Widerspruch. Coup-Stufe 5 darf nicht mit TDM-Stufe F gleichgesetzt werden: unterschiedliche Prüfaufbauten. Ohne vollständige Kennzeichnung fehlt die gemeinsame Grundlage zwischen „Level 5“ und „D“.

A bis F: ISO 13997 in Newton einordnen

Beim TDM-Verfahren wird ermittelt, welche Kraft eine gerade Klinge benötigt, um das Material bei einer festgelegten Schnittstrecke zu durchtrennen. Das Ergebnis wird in Newton einer Stufe zugeordnet: A beginnt bei 2 N, B bei 5 N, C bei 10 N, D bei 15 N, E bei 22 N und F bei 30 N. Die Buchstaben sind Mindestschwellen der Laborprüfung, keine lineare Bewertung. Stufe F ist daher nicht einfach „doppelt so gut“ wie C, nur weil die Schwellen 30 und 10 N betragen. Die Gefährdung muss zur Stufe passen: Bei Kartonagen zählt oft Beweglichkeit, an scharfkantigem Blech eher eine höhere TDM-Stufe. Die Newton-Werte sind kein Alltagsversprechen für eine genaue Durchdringungskraft. Hygiene und Lebensmittelkontakt behandelt Schnittschutzhandschuhe in der Küche.

ANSI A1 bis A9 nicht eins zu eins übersetzen

Auf importierten Produkten stehen häufig EN 388 und ANSI/ISEA nebeneinander. Die ANSI-Skala reicht von A1 bis A9 und nutzt ebenfalls Kraftwerte, doch Prüfdetails und Klassengrenzen unterscheiden sich. Eine Angabe wie ANSI A5 ist deshalb weder Coup-Level 5 noch automatisch EN-ISO-Stufe E. Besonders am oberen Ende führt eine direkte Übersetzung in die Irre. EN ISO 13997 endet bei F mit einer Schwelle von 30 N, während ANSI oberhalb vergleichbarer Kraftbereiche weiter differenziert. Ein ANSI-A9-Ergebnis kann folglich nicht als „höher als EN F“ in denselben europäischen Code eingesetzt werden. Für rotierende oder laufende Schneidwerkzeuge genügt selbst eine hohe Handschuhstufe nicht als Freigabe: Bei einer Kettensäge ist eine dafür vorgesehene Norm und Bauart nötig. Die Unterschiede erklärt die Seite zu Schnittschutzhandschuhen an der Kettensäge.

Fazit: Vollständigen Code verlangen, Skalen nicht mischen

Wenn nur „Level 5“ oder „A9“ im Titel steht, suchen Sie Piktogramm und Datenblatt. Coup, TDM und ANSI bleiben getrennte Systeme. Für die Motorsäge ersetzt selbst Stufe F keine Forstnorm.

Häufige Fragen

Was bedeutet X bei EN 388?
X heißt, dass für diese Position keine Leistungsstufe angegeben wird. Steht es an zweiter Stelle, ist kein verwertbarer Coup-Wert ausgewiesen, häufig weil das Material die Klinge abstumpft. Lesen Sie dann den späteren TDM-Buchstaben A bis F. X bedeutet nicht automatisch, dass der Handschuh keinen Schnittschutz bietet.
Ist Stufe 5 die höchste Schnittschutzklasse?
Nur innerhalb des Coup-Tests ist 5 die höchste Stufe. Beim TDM-Test nach ISO 13997 reicht die Skala von A bis F, bei ANSI von A1 bis A9. Ohne Angabe des Prüfverfahrens ist „Stufe 5“ daher mehrdeutig und nicht ausreichend für einen belastbaren Vergleich.
Was unterscheidet E von F?
Für E muss das Material im TDM-Test mindestens 22 N erreichen, für F mindestens 30 N. F bezeichnet damit die höhere Laborstufe. Ob sie für Ihren Arbeitsplatz nötig ist, hängt jedoch von der Gefährdung ab; zusätzliche Steifigkeit oder geringeres Tastgefühl können gegen die höchste Klasse sprechen.
Entspricht ANSI A9 der EN-Stufe F?
Nein. Beide Angaben stammen aus unterschiedlichen Klassensystemen und lassen sich nicht eins zu eins gleichsetzen. EN F beginnt bei 30 N und ist das obere Ende der EN-ISO-Skala, während ANSI den hohen Bereich weiter unterteilt. Verwenden Sie zum direkten Vergleich Werte derselben Norm.
Gilt die EN-388-Stufe für Innenhand und Finger?
Der Normwert stammt aus der Prüfung festgelegter Materialproben und ist keine separate Garantie für jede Stelle des fertigen Handschuhs. Beschichtung, Nähte, Handrücken und Verstärkungen können unterschiedlich aufgebaut sein. Prüfen Sie deshalb Konstruktion und Schutzbereich des konkreten Modells.
Braucht jeder EN-388-Handschuh ein P?
Nein. P ist eine zusätzliche Kennzeichnung für einen bestandenen optionalen Stoßschutztest. Fehlt das P, folgt daraus nicht, dass die übrigen EN-388-Werte ungültig sind. Benötigen Sie Schutz vor Stoß- oder Quetschbelastungen, muss dieser jedoch ausdrücklich zur Gefährdung passen.
Reicht EN 388 für Arbeiten mit der Kettensäge?
Nein. EN 388 beschreibt mechanische Risiken wie Abrieb, Schnitt, Weiterreißen und Durchstich, ersetzt aber keine kettensägenspezifische Prüfung. Für Arbeiten an der laufenden Kettensäge benötigen Sie dafür vorgesehene Handschuhe nach der einschlägigen Forst-Norm sowie die übrige persönliche Schutzausrüstung.

Weiterführende Seiten

Quellenverzeichnis

Fachquellen aus dem Research-Digest; zuletzt abgerufen am 23.09.2026.

  1. uvex Safety — EN 388:2016 / ISO 13997 / ANSI-Überblick (abgerufen am 23.09.2026)
  2. EUR-Lex — Verordnung (EU) 2016/425 (abgerufen am 23.09.2026)
  3. Haberkorn — EN ISO 21420:2020 (abgerufen am 23.09.2026)
  4. BGHM kompakt 088 — mechanische Schutzhandschuhe (abgerufen am 23.09.2026)
  5. BAuA — Bereitstellung/Benutzung PSA (abgerufen am 23.09.2026)
  6. DGUV Regel 112-995 (Auswahl, Bohrmaschinenverbot) (abgerufen am 23.09.2026)
  7. W+R / EN 381-7 Klassen (abgerufen am 23.09.2026)
  8. NITRAS — ANSI vs. EN (abgerufen am 23.09.2026)