Unabhängiger Vergleich, ggf. Vergütung durch Shop-Links. Mehr Infos

118° oder 135° – Bohrerschärfgerät und die richtige Winkelwahl

Aktualisiert: 04.10.2026

Die Frage 118 oder 135 Grad taucht auf, sobald jemand ernsthaft über ein Bohrerschärfgerät nachdenkt. Beide Winkel haben ihre Berechtigung – und keiner ist pauschal besser. Wer einen 118°-Bohrer mit 135° nachschleift, ohne die Geometrie anzupassen, bekommt oft schlechtere Ergebnisse als mit dem Originalwinkel. Wer umgekehrt bei Edelstahl mit 118° arbeitet, kämpft mit Verlaufen und hohem Vorschubdruck. Diese Seite erklärt, wann welcher Spitzenwinkel sinnvoll ist, welche Bohrerschärfgeräte beide Winkel unterstützen und welche Fehler bei der Winkelwahl am häufigsten passieren. Im [Bohrerschärfgeräte-Vergleich](/hub/schneidewerkzeuge/bohrerschaerfgeraete) findest du alle Modelle mit ihren Winkeloptionen im Überblick.

Die Frage 118 oder 135 Grad taucht auf, sobald jemand ernsthaft über ein Bohrerschärfgerät nachdenkt. Beide Winkel haben ihre Berechtigung – und keiner ist pauschal besser.

Unsere Top-Empfehlungen

Inhalt

Was der Spitzenwinkel bewirkt

Der Spitzenwinkel ist der Winkel zwischen den beiden Hauptschneiden an der Bohrerspitze. Er beeinflusst drei Dinge gleichzeitig: wie der Bohrer ins Material eintritt, wie viel Kraft du beim Vorschub brauchst und wie stabil die Schneide unter Last bleibt. 118° ist der klassische Universalwinkel. Die Spitze ist schärfer, der Bohrer zentriert schneller in weicheren Materialien und braucht weniger Anpresskraft. Deshalb findest du ihn an den meisten Standard-HSS-Bohrern für Baustahl, Aluminium und Holz. 135° hat eine stumpfere Spitze. Das klingt zunächst schlechter, ist aber bei zähen Werkstoffen ein Vorteil: Die Schneide ist robuster, der Bohrer läuft weniger schnell weg, und der Vorschubdruck verteilt sich besser. In der Praxis wird 135° oft zusammen mit einer Ausspitzung (Split-Point) genutzt, die die Querschneide im Zentrum entlastet. Wichtig: Der Winkel allein entscheidet nicht. Symmetrie der Schneiden, Freiwinkel und saubere Querschneide müssen zusammenpassen – egal ob du am Schleifbock oder am Bohrerschärfgerät arbeitest.

Wann 118° die richtige Wahl ist

118° passt in den meisten Heimwerker-Werkstätten. Wenn du überwiegend folgende Materialien bearbeitest, bleib bei 118°: - Baustahl und weichere Stähle - Aluminium und NE-Metalle - Kunststoffe (mit angepasstem Vorschub) - Holz (mit Holzbohrern, die oft ohnehin andere Geometrien haben) Geräte mit festem 118°-Winkel sind günstiger und einfacher zu bedienen. Der Güde GBS 80 (3–13 mm, 118°, ca. 50 €), das Scheppach DBS800 (3–13 mm, ca. 60 €) und der Parkside PBSG 95 C3 (3–12 mm, ca. 32 €) schleifen ausschließlich mit 118°. Für reine Standardanwendungen reicht das. Der Tivoly Drill Doctor 400 (2,5–13 mm, 118°) ist die Mittelklasse-Alternative: bessere Bedienlogik, höhere Zufriedenheit in 318 Bewertungen, aber ebenfalls nur 118°.

Wann 135° sinnvoll wird

135° lohnt sich, wenn du regelmäßig mit anspruchsvolleren Werkstoffen arbeitest: - Edelstahl und rostfreie Stähle - Zähere legierte Stähle - Situationen, in denen der Bohrer beim Ansetzen verläuft - Bohrungen ohne Pilotbohrung in härteren Materialien Der Winkel allein reicht hier oft nicht. Split-Point-Ausspitzung reduziert den Druck auf die Querschneide und verbessert die Selbstzentrierung. Geräte, die 135° unterstützen, können das in einem Arbeitsgang – allerdings mit unterschiedlicher Qualität.

118° auf 135° umschleifen – geht das?

Technisch ja, wenn genug Material an der Bohrerspitze vorhanden ist. Praktisch solltest du das nur tun, wenn du einen klaren Anwendungsgrund hast – zum Beispiel weil du einen Bestand an 118°-Bohrern hast und nun regelmäßig Edelstahl bearbeitest. Risiken beim Umschleifen: - Zu viel Materialabtrag schwächt die Schneide - Ohne Split-Point bringt 135° weniger als erwartet - Asymmetrie entsteht leichter als beim Nachschärfen im Originalwinkel Besser: Neue Bohrer direkt in 135° kaufen und mit einem Gerät schärfen, das diesen Winkel reproduzierbar einstellt. Mehr zum Materialbezug unter HSS, Kobalt und Hartmetall.

Typische Fehler bei der Winkelwahl

Pauschale Empfehlungen übernehmen: „135° ist immer besser" stimmt nicht. Für Standard-Stahl ist 118° oft die pragmatischere Wahl. Winkel wechseln ohne Geometrie anzupassen: Wer von 118° auf 135° umschleift, muss auch Freiwinkel und ggf. Ausspitzung kontrollieren. Nur den Spitzenwinkel zu ändern reicht selten. Falsches Gerät für den Winkel: Ein 118°-Only-Gerät wie der Güde GBS 95 (ca. 27 €) kann keine 135°-Geometrie erzeugen. Wer Edelstahl plant, investiert besser von Anfang an in ein flexibles Gerät – siehe Kaufberatung. Keine Testbohrung: Egal welcher Winkel – erst eine Testbohrung in Schrottmaterial zeigt, ob die Geometrie stimmt. Optisch scharf heißt nicht automatisch gut schneidend.

Schnellentscheidung: Welcher Winkel für dich?

1. Bearbeitest du hauptsächlich Baustahl, Alu oder Kunststoff? → 118°, einfaches Gerät reicht. 2. Bohrst du regelmäßig Edelstahl oder zähere Stähle? → 135° mit Split-Point prüfen. 3. Verläuft dein Bohrer beim Ansetzen trotz scharfer Schneiden? → Winkel allein ist selten die Ursache; Geometrie und Ausrichtung prüfen. Bei kleinen Bohrern siehe kleine Bohrer unter 3 mm. 4. Hast du gemischte Werkstoffe? → Gerät mit beiden Winkeln (Drill Doctor 750 oder VEVOR MR13B).

Häufige Fragen

Ist 135° immer besser als 118°?
Nein. 135° ist kein automatischer Qualitätsgewinn, sondern eine materialabhängige Option. Für viele Standardanwendungen funktioniert 118° sehr gut und ist einfacher zu beherrschen.
Brauche ich bei 135° immer eine Ausspitzung?
In vielen Fällen ja, weil die Ausspitzung den Vorschubdruck reduziert und das Zentrieren verbessert. Ohne saubere Split-Point-Geometrie kann 135° trotzdem problematisch anlaufen.
Welches Bohrerschärfgerät unterstützt 118° und 135°?
Im Vergleich: Tivoly Drill Doctor 750, VEVOR MR13B (Testsieger), VEVOR MR13A und VEVOR MR20G. Alle bieten einstellbare Winkel im Bereich 95–135°.
Kann ich 118°-Bohrer mit einem 135°-Gerät im Originalwinkel schärfen?
Ja – einstellbare Geräte wie der Drill Doctor 750 lassen sich auf 118° einstellen. Du musst den Winkel nicht wechseln, nur weil das Gerät beide Optionen bietet.
Warum verläuft mein Bohrer trotz 135°?
Häufig sind unsymmetrische Schneiden oder fehlende Ausspitzung die Ursache, nicht der Winkel selbst. Auch Materialhärte und Ansatzbedingungen spielen mit. Geometrie, Einspannung und Testbohrung gemeinsam bewerten.
Reicht 118° für Edelstahl?
Für gelegentliche Bohrungen mit Pilotbohrung oft ja. Bei regelmäßiger Edelstahlbearbeitung lohnt sich 135° mit sauberer Geometrie deutlich mehr.
Was bedeutet „95–135°" bei VEVOR-Geräten?
Das ist der einstellbare Winkelbereich des Geräts. Du kannst den Spitzenwinkel stufenlos oder in Stufen zwischen 95° und 135° wählen – deutlich flexibler als feste 118°-Geräte.
Lohnt sich ein teures Gerät nur für den 135°-Winkel?
Nur wenn du den Winkel regelmäßig brauchst. Wer einmal im Jahr Edelstahl bohrt, kommt mit 118° und Vorsicht oft günstiger aus als mit einem 250-€-Gerät.

Weiterführende Seiten

Quellenverzeichnis

Fachquellen aus dem Deep Research; zuletzt abgerufen am 10.08.2026.

  1. DGUV Information 209-002 "Schleifen" – Sicherheitsanforderungen beim Schleifen (Schutzhauben, PSA, Funkenflug). (abgerufen am 10.08.2026)
  2. Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) – Rechtsrahmen für sichere Verwendung von Arbeitsmitteln in Deutschland. (abgerufen am 10.08.2026)
  3. Drill Doctor (Herstellerseite) – 118 vs 135 – Praxisnahe Einordnung von Spitzenwinkeln und Split-Point. (abgerufen am 10.08.2026)
  4. Drill Doctor 500X Produktdaten – Kompatibilitäten, Winkeloptionen, Split-Point-Funktion. (abgerufen am 10.08.2026)
  5. Drill Doctor deutsche Betriebsanleitung (500X/750X) – Bedienlogik und Winkelanwendung in deutscher Dokumentation. (abgerufen am 10.08.2026)
  6. Ceratizit Bohrergeometrie-Guide – Technische Grundlagen zu Spitzenwinkel, Zentrierung und Geometrieeinfluss. (abgerufen am 10.08.2026)
  7. FAZ Kaufkompass Bohrerschleifgerät – Marktnahe Vergleichs- und Nutzungsperspektive im deutschsprachigen Raum. (abgerufen am 10.08.2026)
  8. idealo Produktübersicht GBS 80 – Preis-/Spezifikationsrahmen für verbreitetes Einstiegs-/Mittelklassemodell. (abgerufen am 10.08.2026)
  9. DIN-338 Referenz (Normbezug bei Spiralbohrern) – Normkontext für Geometrie-/Typisierung von Spiralbohrern. (abgerufen am 10.08.2026)
  10. uvex Normenüberblick Augenschutz (EN ISO 16321) – Praxisnaher Branchenhinweis zur aktuellen Augenschutznorm. (abgerufen am 10.08.2026)