118° vs. 135° Bohrspitze – welcher Winkel für Edelstahl?

Aktualisiert: Juli 2026

Der Spitzenwinkel eines Bohrers klingt nach einer Randnotiz – bis der Bohrer auf der glatten Edelstahloberfläche wegläuft oder du bei 8 mm Durchmesser plötzlich 50 N Druck brauchst. Die Frage „118 oder 135 Grad?" betrifft direkt Anlaufverhalten, Vorschubkraft und Prozessstabilität. In Deutschland sind 135°-Bohrer mit Kreuzanschliff für Edelstahl der Standard; 118°-Varianten stammen oft aus dem angloamerikanischen Bereich. Dieser Vergleich erklärt die praktischen Unterschiede für V2A und V4A – ohne den Spitzenwinkel als Allheilmittel zu verkaufen. Du erfährst, wann ein flacherer Winkel Vorteile bringt und warum die meisten Edelstahlbohrer-Sets trotzdem auf 135° setzen. Im Edelstahlbohrer-Vergleich findest du überwiegend 135°-Modelle. Die Kaufberatung ordnet Geometrie in die Gesamtentscheidung ein.

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Was der Spitzenwinkel technisch bewirkt

Der Spitzenwinkel ist der Winkel an der Bohrerspitze, unter dem die Schneiden aufeinandertreffen. Er beeinflusst drei Dinge: 1. Zentrierverhalten: Wie gut die Spitze in das Material eingreift und Halt findet 2. Vorschubkraft: Wie viel Druck nötig ist, um den Bohrer ins Material zu treiben 3. Kernstärke: Wie massiv der Bohrerkern an der Spitze ist – relevant für Bruchfestigkeit Dazu kommt der Anschliff: Standard ist der Kreuzanschliff (DIN 1412 C) mit vier schneidenden Ecken an der Spitze. Er verbessert das Selbstzentrieren – besonders auf glatten Flächen, wie sie bei Edelstahlblechen und -rohren typisch sind.

118° – der Universalwinkel

118° ist der klassische Spitzenwinkel für Spiralbohrer in Weichstahl, Kunststoff und Holz. Die meisten günstigen Universal-Metallbohrer-Sets nutzen 118°. Vorteile: - Geringere Vorschubkraft bei weichen Materialien - Weit verbreitet, günstig verfügbar - Bewährt für Baustahl und Aluminium Nachteile bei Edelstahl: - Schlechteres Selbstzentrieren auf glatten Oberflächen - Dünnere Kernspitze → höheres Bruchrisiko bei harten Materialien - Neigt zum Verlaufen ohne Anker oder Führung Fazit für Edelstahl: 118° funktioniert bei angekertem Anlauf, dünnem Material und kleinen Durchmessern. Auf glatten V2A-Flächen ohne Anker ist 118° die riskantere Wahl.

135° – der Edelstahl-Standard

135° ist der empfohlene Spitzenwinkel für härtere und zähere Materialien – inklusive Edelstahl. Die meisten HSS-Co-Bohrer im Edelstahlbohrer-Vergleich (Bosch Professional, STROTON, Pinava) haben 135°-Spitzen mit Kreuzanschliff. Vorteile: - Besseres Selbstzentrieren durch schärfere Ecken am Kreuzanschliff - Stärkere Kernspitze → robuster bei hoher Vorschubkraft - Weniger Verlaufen auf glatten Flächen - Industriestandard für Edelstahl und härtere Legierungen Nachteile: - Etwas höhere Vorschubkraft nötig – bei stumpfem Bohrer spürbar - Nicht optimal für weiche Materialien (Kunststoff kann reißen) Fazit für Edelstahl: 135° mit Kreuzanschliff ist der sicherere Standard. Kombiniert mit HSS-Co und korrekter Drehzahl die beste Basis.

Direktvergleich: 118° vs. 135° in Edelstahl

Selbstzentrieren auf glatter Fläche: bei 118° schwächer, bei 135° besser. Vorschubkraft: bei 118° niedriger, bei 135° etwas höher. Kernstärke an der Spitze: bei 118° geringer, bei 135° höher. Bruchrisiko bei kleinen Durchmessern: bei 118° höher, bei 135° niedriger. Verlaufen ohne Anker: bei 118° häufiger, bei 135° seltener. Preis: 118° günstiger in Universal-Sets, 135° Standard bei HSS-Co-Sets. Empfehlung für Edelstahl: 118° nur mit Anker und dünnem Material, 135° bevorzugt.

Kreuzanschliff – der unterschätzte Faktor

Der Spitzenwinkel allein erklärt nicht alles. Der Kreuzanschliff (four-facet point) erzeugt vier schneidende Facetten an der Spitze statt zweier. Effekt: - Schärfere Ecken greifen in das Material ein - Bessere Führung in den ersten Millimetern - Geringeres „Wegwandern" auf polierten Flächen Die meisten 135°-Edelstahlbohrer im Vergleich haben Kreuzanschliff nach DIN 1412 C. 118°-Universalbohrer oft nur mit Standard-Spitze ohne Kreuzanschliff – ein weiterer Grund für das schlechtere Anlaufverhalten in Edelstahl.

Fallbeispiele aus der Praxis

6 mm Loch in 4 mm V2A-Blech, glatte Oberfläche - 118° ohne Anker: Bohrer wandert, Loch sitzt 2 mm daneben - 135° mit Kreuzanschliff: Anlauf stabil, auch ohne Anker oft ausreichend - Empfehlung: Trotzdem ankern – 135° ersetzt keine saubere Vorbereitung

3 mm Loch in V4A-Profil, Handbohrmaschine

- 118°: Hohes Bruchrisiko durch dünne Kernspitze und Seitenlast - 135°: Robusterer Kern, weniger Brüche - Empfehlung: 135° HSS-Co, Pilot nicht nötig, aber Anker setzen

10 mm Loch in 8 mm Edelstahlplatte, Ständerbohrmaschine

- 118°: Funktioniert mit Pilotbohrung (5 mm) und Anker – aber keine Reserve - 135°: Deutlich stabilerer Prozess, Pilotbohrung 5–6 mm empfohlen - Empfehlung: 135° HSS-Co, Pilotbohrung, Schneidöl

118°-Bohrer sinnvoll einsetzen – wenn du sie hast

Nicht jeder wirft Universal-Sets weg. 118°-Bohrer kannst du in Edelstahl nutzen, wenn: 1. Du immer ankern (Körner oder Automatikkörner) 2. Material dünn ist (≤ 3 mm) 3. Durchmesser klein bleibt (≤ 5 mm) 4. Du Schneidöl verwendest 5. Die Maschine stabil führt (Ständerbohrmaschine bevorzugt) Sobald eine Bedingung nicht erfüllt ist, lohnt der Wechsel auf 135° HSS-Co.

Spitzenwinkel ersetzt keine Prozessführung

Ein 135°-Bohrer mit 2.000 U/min trocken in 8 mm V4A wird genauso stumpf wie ein 118°-Bohrer. Der Winkel ist ein Teil des Systems: - Werkstoff: HSS-Co für Edelstahl - Geometrie: 135° + Kreuzanschliff - Parameter: Drehzahl und Vorschub aus unserer Tabelle - Kühlung: Schneidöl - Vorbereitung: Ankern, Spannung Mehr zum Gesamtprozess in der Bohranleitung.

Spitzenwinkel und Maschinentyp

Die Wahl zwischen 118° und 135° hängt auch von deiner Maschine ab. An der Ständerbohrmaschine mit konstantem Vorschub und guter Achsführung kann ein 118°-Bohrer in Edelstahl funktionieren – vorausgesetzt, du arbeitest mit Anker und Pilotbohrung. Die Maschine kompensiert den etwas schwächeren Anlauf. An der Handbohrmaschine oder dem Akkuschrauber wird 135° deutlich wichtiger. Hier fehlt die mechanische Führung – jede seitliche Auslenkung wirkt direkt auf die Spitze. Der schärfere Kreuzanschliff bei 135° greift früher ein und verhindert das typische Wegwandern in den ersten Umdrehungen. Wer regelmäßig mit der Handmaschine in Edelstahl arbeitet, sollte 135° als Standard betrachten – unabhängig vom Durchmesser. Ein praktischer Test: Bohre mit deinem aktuellen 118°-Bohrer auf einem Schrottstück aus V2A ohne Anker. Wenn die Spitze innerhalb der ersten halben Umdrehung wandert, ist 135° mit Kreuzanschliff die logische Konsequenz – nicht mehr Druck oder höhere Drehzahl.

Häufige Fragen

### Was ist besser für Edelstahl: 118 oder 135 Grad?
135 Grad mit Kreuzanschliff. Besseres Selbstzentrieren, stärkere Kernspitze, weniger Verlaufen. 118 Grad nur bei dünnem Material, kleinen Durchmessern und mit Anker.
Was bedeutet Kreuzanschliff?
Eine Spitzengeometrie mit vier schneidenden Facetten statt zwei. Verbessert das Eingreifen in harte und glatte Oberflächen. Bei Edelstahlbohrern Standard in Kombination mit 135°.
Kann ich 118°-Bohrer für Edelstahl nachschleifen auf 135°?
Theoretisch ja, praktisch selten sinnvoll. Die Geometrie muss exakt stimmen, inklusive Kreuzanschliff. Bei günstigen Bohrern kostet das mehr als ein neuer 135°-HSS-Co-Bohrer.
Warum haben günstige Sets 118°?
Weil sie für alle Materialien verkauft werden – Weichstahl, Holz, Kunststoff. Edelstahl ist nicht der Fokus. Für gezielte Edelstahlarbeit lohnt ein dediziertes HSS-Co-Set mit 135°.
Hilft 135° gegen Bohrerbruch?
Es reduziert das Risiko durch stärkere Kernspitze und besseres Anlaufverhalten. Bruch entsteht aber primär durch Seitenlast, Verkanten und zu viel Druck – da hilft auch 135° nicht.
Haben alle Edelstahlbohrer im Vergleich 135°?
Die meisten ja: Bosch Professional, Bosch Robust Line, STROTON, Pinava, CARSIDURO, WeLiQu. Der kwb HINOX hat 130° – ein Kompromiss für Akkuschrauber-Einsatz.
Muss ich bei 135° mehr Druck ausüben?
Etwas mehr Vorschubkraft als bei 118° – aber bei scharfem Bohrer und korrekter Drehzahl ist der Unterschied gering. Wenn du „richtig drücken" musst, ist eher der Bohrer stumpf oder die Drehzahl falsch.
Gibt es Bohrer mit anderem Winkel als 118° oder 135°?
Ja – 130° (z. B. kwb HINOX) oder 140° bei Spezialanwendungen. Diese Winkel sind Kompromisse für bestimmte Maschinen oder Materialien. Für Standard-Edelstahlarbeit bleibt 135° mit Kreuzanschliff die Referenz.
Beeinflusst der Spitzenwinkel die Drehzahl?
Indirekt ja. Ein 135°-Bohrer mit Kreuzanschliff greift schneller ein – du kannst mit etwas niedrigerer Anfangsdrehzahl starten, ohne dass der Bohrer „schlittert". Die Richtwerte aus unserer Drehzahltabelle gelten unabhängig vom Winkel, aber das Anlaufverhalten in den ersten Millimetern ist bei 135° toleranter.

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